1000 Dinge meines Lebens: Serendipty / 0001

Der Zufall ist vielleicht eine der wichtigsten Linien im Leben. Nicht planbar, nicht vorhersehbar. Einfach da, vor allem dann, wenn es nicht paßt. Oder nicht gesucht wird.

Wo fange ich nun an, um die Fäden zu ziehen, damit der Familie Kleeblatt Blog wieder belebt wird?

  1. Es beginnt mit folgendem Gedanken.Jeder Blog, jede Website hat etwas Zufälliges – google und andere helfen uns zwar dabei, Websites einfacher zu finden – und je nach Suchfilter und -programm prominenter zu entdecken oder auch nicht. Zufällig eben. Mit Dingen unseres, meines Alltags verhält es sich genauso. Viele Dinge kommen ungeplant hinzu, tauchen wieder auf, verschwinden wieder für lange Zeit. In etwa wie Erinnerungen, wenn mich bspw. meine Mutter fragt, ob mich noch an dieses oder jenes aus meiner Kindheit erinnern könnte. Häufig leider nicht – aber Fotos oder andere Dinge helfen nach. Ein Blog, dieser Blog, seit Jahren immer mal wieder zufällig ergänzt, wird erweitert um eine Rubrik mit hoffentlich 1000 Beiträgen. Jeder Beitrag spiegelt einen Gegenstand meines Lebens oder einer Erinnerung.
  2. Mein früherer Chef beim vzbv, Carel Mohn, erläuterte mir vor Jahren mal das Prinzip der Serendipität, ein in der deutschen Sprache nicht so elegant lesbares Wort, lieber Serendipty. Kurz gesagt, etwas zu finden, was wir nicht gesucht haben. Ich mochte das Wort von Anfang an, war es doch spannend oder wie Inga sagte quirky genug, um bei uns zu bleiben – im Alltag. Meine Beiträge werden nicht geplant sein, sondern zufällig – sie spielgen mich, mein Leben und die der Kernfamilie Kleeblatt, die von Jahr zu Jahr kleiner wird. Leider.
  3. Mein dritter Gedanke geht dahin, dass ich in einer Studie einst gelesen habe, dass Menschen in der Frühen Neuzeit, also um 1500, im Erbfall vielleicht 50 Gegenstände vererbten: meist eine Aussteuerkiste, Teller, Besteck, übwiegend geringwertige Habeseligkeiten. Heutzutage hat der einfache Hausstand zehntausende Dinge, überwiegend Schrott. Oder wie ein Hausentrümler mir einst erklärte: Hausstände gegründet vor 1970 lohnen sich, ab dann findest Du nur noch Ikea, Plastikmüll und eben Schrott. Was also sind die Dinge, die uns ein Leben lang begleiten? Konrad, ein anderer Freund, würde hierzu sagen: Wertiges. Dinge, die Du jahrzehntelang (be-)nutzen kannst. Was aber mit einer CD? Was werde ich auswählen? Ich überlasse es, richtig, dem Zufall.
  4. Zufall und Irritation liegen nahe beieinander. Jedenfalls für die, die Platz oder Aufmerksamkeit haben. Wie ich, zumindest für den Moment. So kommt es, dass ich in meinem 100 Quadratmeter großen Lager, vier Meter hoch mit locker 50 Meter Regalen an der einen oder anderen Stelle aus Gutmütigkeit auch Dinge eingelagert habe, die die Familie durch den Erbfall schnell verstauen musste und nun dort ab und an wieder auftauchen. Und die mich irritieren, weil sie mir ein Fenster in die Vergangenheit öffnen, die ich kenne oder: noch nicht kenne. Diese Fenster will ich öffnen und auch: wieder schließen.
  5. Meine Tochter. Ich denke ganz häufig daran, dass mein technikaffiner Vater einen fetten Plattenschrank hatte, mit vielen wunderbaren Scheiben in Neonfarben. Die faszinierten mich als Kind, weil sie so deutlich anders aussahen als die anderen feingerillten Schwarzscheiben. Und über dem Plattenschrank stand eine Bandmaschine, riesige Bänder, schwer, mit Holzkasten. Und mit Peak-Nadeln, die bei den Aufnahmen zufällig zuckten, weil wir den Ton nicht über den Lausprecher hören konnten. Mein Vater zeichnete Nachtstrecken im Radio auf – für wen auch immer. Diese Sachen sind alle weg: entschwunden. Und in diesen Momenten ertappe ich mich dabei, welche Dinge Friederike mit der gleichen Nostalgie betrachten wird. Ist es der SPD-Parteiausweis mit den Willy Brandt-Marken meines Großonkels? Sind es die vielen hundert Bücher von Ulrike und mir oder die vielen Bildbände zur Fotografie des 19. Jahrhunderts? Wer weiß, vielleicht mache ich es ihr einfach und sie braucht nur 1000 Beiträge lesen.

 

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Wie alles mit dem Buchstaben O begann…

Leuchtbuchstaben für alle

Wer mein Buchstabendepot besucht, fragt mich zuerst: Warum? Die schiere Masse an Buchstaben aus vielen Jahrzehnten ist zu beeindruckend. Ein oder zwei Buchstaben finden sich ja immer auf Flohmärkten oder bei ebay – aber gleich Hunderte? Nun, ich will die Frage nach dem Warum gerne im Blog beantworten und künftig auch einiges mehr über Buchstaben bloggen.

Zwei Momente gab es in den vergangenen zehn Jahren, die ich als Kreuzungspunkte bezeichnen würde. Der Start für das Buchstabenbusiness war mein Stöbern für Buchstaben auf unserem sieben Meter langen Buchregal. Meine Partnerin und ich lesen viel und die Bücher bleiben, überwiegend. Die Wand über unserem Regal erschien mir aber immer zu leer, zu viel Freiraum. Ich kaufte also den ersten Buchstaben, ein O von einer Apotheke. Dann den zweiten, ein T aus einer alten Woolworth-Leuchtreklame. Irgendwann war der erste Schriftzug komplett: Worte stand da. Nach einem Jahr ohne Licht frickelte ich schließlich eine…

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Ja – zum Umbau der Bergmannstraße

die bergmannstrasse

Wer zur Zeit die Bergmannstraße auf- und abläuft, kann in vielen Schaufenstern der Gewerbetreibenden Aushänge gegen den Umbau der Bergmannstraße entdecken. Sicher, die Gewerbetreibenden sind eine Interessengruppe – aber die der Anwohner/innen auch. Beide Seiten bringen sich gerade ganz enorm für oder gegen den Umbau ein, siehe auch auf der Mitmachplattform

Ich unterstütze den Umbau der Bergmannstraße. Es ist Zeit für eine Entschleunigung und einen Umbau einer Straße, die diesem massiven Verkehrsaufkommen ja längst nicht mehr gewachsen ist. Und dabei geht es nicht nur um die Parkplatz-Sucherei, sondern und vor allem auch um die Tempo-30-Ignorierer, die Zweite-Reihe-Parker und die 40-Tonner, die bereits morgen ab 5 Uhr durch die Straßen stampfen.

Unter den Argumenten gegen den Umbau wird sehr häufig die Reduzierung von Parkplätzen vorgebracht. Ja, warum denn nicht? Die Cappuccino-Trinker, die eigens dafür in die Bergmannstraße fahren, halten ohnehin in der zweiten Reihe und blockieren alles und jeden – meist…

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…bald gibts neues Einträge…

Ich sichte gerade stapelweise alte Mini Discs. Huch? Was, ja, Mini Discs, die habe ich noch aus den 90er Jahren. Und sie gehen noch. Am Samstag düse ich ja nach Koblenz, satte 6,5h Stunden und ich tippe unsere Tagebuch-Lesungen ab. Seit ca 1998 werten wir leider sehr unregelmäßig die Tagebücher meines Urgroßvaters aus.

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Der kleene Kleeblatt-Blog 2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 790 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 13 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Klirr, Schepper, Peng – Fenstercrash in unserer Altbauwohnung

Heute ein Exkurz vom Wrangelkiez in den Bergmannkiez…

die bergmannstrasse

Liebe Leser*innen des Bergmannstraßenblogs,

heute mal etwas aus den eigenen vier Wänden. Es ist eine Alltagsgeschichte mit vielen Berliner Verknüpfungen.

Wo fange ich an. Wir wohnen bereits seit Jahren im Bergmannkiez zur Miete in einem irgendwie sehr bröckeligen aber doch sehr schönen Altbau. Kreuzberg eben, Geschwistererbe, und: n i c h t verkäuflich (Hofbesichtigungen auf Verdacht sind Unsinn). Jedenfalls haben sich die Eigentümer in diesem Jahr entschlossen: Fenster raus wäre besser. Die sind nämlich aus dem Baujahr ca. 1920, lassen Regen, Kälte und Eisblumen hinein. Letztere werden wir nun vermissen.

Montag früh, Punkt 8 Uhr. Eine Team von zuerst vier, dann fünf Leuten klopft freundlich, um sofort loszulegen. Es geht los, die Scheiben, 58 Stück, werden zuerst mit Kraft aus den Halterungen gehoben und landen nun hier:

Umbau 0Was haben wir die Messinggriffe bei Einzug nicht poliert, geputzt. Und die Scheiben: Mensch, sei sachte, fauchten wir uns gegenseitig ab und an…

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macht der kaißer mobil – August 1914

Heute zuerst das Foto aus vom Tagebucheintrag August 1914 – wir sind noch am Transkribieren des eher langen Eintrags zum August. Wer Spaß hat, kann versuchen die Handschrift zu entziffern. Unsere Auflösung dann am Abend:

Tagebucheintrag August 1914

Der deutsche Kaißer depeschirt an den Kaiß. von Russland warum er Mobil macht. Da depeschirt er zurück, das das ist seine Sache. Macht er wie will. Nun war Deutschland klar, das er Krieg wollte haben. Und nun wurde Krieg erklärt und Mobil gemacht. Das ging fünf Tage lang weiter.

Nichts als Reservisten und Landwehr, Schulen und Großfabriken wurden alle als Quartier benutzt. Auch private Leute konnten Soldaten in Quartier nehmen. Es war schrecklich das mit anzusehen.

Die ganze Eisenbahn wurde von Verkehr gesperrt, die Leute die auf der Reiße wahren konnten nicht zurük. Und waren die Leute zurük, hatten sie wider kein Gepäck. Das lag 2 Stockwerke hoch auf der Bahn.

Copyright: Tibor Hegewisch/kartique

Transkription: Dr. Ulrike Schaper, FU Berlin

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